Zusichkommen – zu SICH kommen

Gerade in der Urlaubszeit haben wir die Chance uns auf uns selbst zu besinnen. Wie heilsam dies sein kann, wird deutlich an der Geschichte einer meiner Klientinnen.

Sie berichtete, dass sie in all den Wochen vor dem Urlaub garnicht realisiert hatte, wie hoch der Druck, das Gewicht der Anforderungen, auf ihren Schultern lastete. Nur manchmal, in ganz kurzen Augenblicken, lies sie es zu zu spüren, daß sie diese ganze Last eigentlich garnicht alleine tragen konnte. Sie erinnerte sich genau daran wo sie stand, als ihr dies bewußt wurde: in ihrem Wohnzimmer und unfähig, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, geschweige sich auf ihre nächste Aufgabe zu konzentrieren. Ihr wurde leicht übel und etwas schwindelig und sie versuchte sich auf ihren Atem zu konzentrieren, versuchte das Unangenehme wegzuatmen.

Am liebsten würde ich wegfahren. Irgendwohin in die Ferne, wo niemand etwas von mir will. Mit Null Plänen und ohne jegliche Anforderungen.

Schnell jedoch stellte sich der Gedanke wieder ein, daß dies als Unternehmerin und in einer festen Partnerschaft mit zahlreichen Verpflichtungen nicht möglich sei. Ganz im Gegenteil, es war wichtig stets „on“ zu sein. On top, was die beruflichen Leistungen anging, online und präsent in den wichtigsten sozialen Medien und natürlich eine wundervolle Gastgeberin und eine gepflegte Frau. Der Tag hat nur 24 Stunden und so waren Leben und Arbeit ständig und ungetrennt miteinander verbunden. Ein ständiges switchen zwischen beruflich informiert sein und privatem interagieren in den sozialen Medien.

Berufliche Einladungen auch nach Feierabend und immer weniger Zeit für private Treffen. Dazwischen Besuche bei Friseur-und Kosmetikstudio, Fitnessclub und nicht zu vergessen die Einkäufe im Supermarkt. Zeit zum Innehalten, Zeit für sich alleine, ohne schlechtes Gewissen (du könntest statt dessen Bügeln und deine Hausarbeit erledigen) war kaum noch vorhanden. Dieses ständige „on“ wurde zum Kern ihres Burnout. Arbeit und privates Leben waren so miteinander verflochten, daß sie nicht eines davon einmal in Ruhe abschalten konnte. Dies mit Hilfe therapeutischer Begleitung wieder zu erlernen war unsere Aufgabe. Als erstes begannen wir damit, daß sie nicht mehr täglich „posten“ mußte. Das berufliche „posten“ legten wir auf zweimal die Woche fest. Allein dies stellte sich anfänglich als schwierig und nicht als entlastend dar. So sehr war es zur täglichen Routine (und zum Zeitfresser) geworden. Ohne Ängste versagt zu haben, war dies das beste Geschenk, daß sie sich selbst machen konnte. Sie hatte nun schon ein wenig wirklich freie Zeit. Im Laufe der Zeit fühlte sie wieder, wie inspirierend es ist, posten zu können und nicht posten zu müssen.

Selbstbeobachtung und das Ernstnehmen von kleinen Warnzeichen

Mehr und mehr lernte sie Selbstbeobachtung und das Ernstnehmen von kleinen Warnzeichen, die sie sonst einfach ignoriert hatte. Immer dann, wenn sie bereits bei kleinen Aufgaben einfach nicht das Gefühl der Freude hatte und die Liebe zu diesen kleinen Dingen, bat ich sie innezuhalten und nachzuspüren, welche Veränderungen (und es waren oft nur kleine) zum Positiven für sie möglich waren. Manchmal war es eine kleine Pause, des Ändern der Sitzposition, Musik dabei hören etc. die eine deutliche Verbesserung brachten. In der Partnerschaft arbeiteten wir an offener Kommunikation. Sie ist ein integraler Bestandteil zur Bekämpfung emotionaler Berge, ganz gleich ob wir gerade nur verstimmt, ängstlich oder deprimiert sind. Der Partner hatte somit die Möglichkeit der Unterstützung und meine Klientin fühlte sich nicht mehr so alleingelassen.

Unsere Stimmung, der Modus in dem wir uns befinden, ist stets beeinflußt durch unsere Grundlagen wie Schlaf, Ernährung und soziale Kontakte. Nutzen sie die Ferienzeit und kommen sie vor allem täglich ein wenig mehr bei sich selber an!

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